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Von Heino Stöver

Suchtkrankheit, Delinquenz und Stigmatisierung – wie weiter?

Inhalt

1 Drogenprohibition, soziale Ausgrenzung, Stigmatisierung und Kriminalisierung
1.1 Soziale Ausgrenzung
1.2 Stigmatisierung
1.3 Kriminalisierung und Inhaftierung
1.4 Gesundheitliche Chancenungleichheit
2 Was bedeutet das für die Drogenhilfe bzw. Drogenpolitik?
2.1 Gesundheitsförderung und Prävention
2.2 Erweiterung des Methodenkanons
2.3 Präventionsarbeit vernetzen
2.4 Zu wenig Einbezug der Selbsthilfe
3 Herausforderungen für die Zukunft
Literatur

1 Drogenprohibition, soziale Ausgrenzung, Stigmatisierung und Kriminalisierung

Wenn wir über Konsumierende illegaler Substanzen sprechen, müssen wir zunächst die Frage beantworten, was so anders ist am Konsum und am gesellschaftlichen Umgang mit dem Konsum bzw. den Konsumierenden ‚illegaler‘ Substanzen. Die Antwort führt notwendigerweise in eine Analyse des Zusammenhangs von Illegalität/Drogenprohibition und Konsumverhalten: welche Auswirkungen hat die Drogenprohibition auf das Konsumverhalten und die Lebensbedingungen der Konsumierenden illegaler Drogen – jenseits von Pharmakologie, Konsum- und Applikationsmuster?

Der Zusammenhang von Drogenprohibition bzw. repressiv-orientierter Drogenpolitik und sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung ist bisher nicht genügend untersucht worden. Soziale Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse beeinflussen Lebens- und Drogenkonsumbedingungen massiv. Das selektive Drogenverbot hat erhebliche Auswirkungen auf die Akzeptanz, Unterstützung und soziale Teilhabe. Nach einer strafrechtlichen Auffälligkeit durch Strafverfolgungs-/Justiz- oder Strafvollzugsbehörden werden soziale Ausgrenzungsprozesse verstärkt, die wiederum Auswirkungen auf das Drogenkonsumverhalten haben. Der Prozess der Kriminalisierung der Konsumierenden illegaler psychoaktiver Substanzen hat in Deutschland ein hohes Ausmaß angenommen. Die Zahl der polizeilich festgestellten Rauschgiftdelikte steigt seit vielen Jahren kontinuierlich an und betrifft im Wesentlichen Konsumierende mit Mengen zum Eigenbedarf (79,1% aller 359.747 oder 284.603 Fälle im Jahr 2019. Für Delikte im Zusammenhang mit Cannabis beträgt der entsprechende Wert sogar 84 %). Nach der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe erleben Drogenabhängige einen doppelten Ausschluss: von Freiheit und (in den meisten Bundesländern) von Zugang zu anerkannten Infektionsschutz- und Behandlungsprogrammen. Zu diskutieren ist eine Reduktion der Kriminalisierungslast für Konsumierende illegaler Drogen, etwa mit einer gesellschaftlich konsentierten Regulation einer bestimmten Menge zum Eigenbedarf und kontrollierter Zugangsmöglichkeiten zu psychoaktiven Substanzen unter Wahrung des Jugend- und Verbraucherschutzes.

”The criminalization of illicit drug users is fuelling the HIV epidemic and has resulted in overwhelmingly negative health and social consequences. A full policy reorientation is needed…Reorienting drug policies towards evidence-based approaches that respect, protect and fulfill human rights has the potential to reduce harms deriving from current policies and would allow for the redirection of the vast financial resources towards where they are needed most: implementing and evaluating evidence-based prevention, regulatory, treatment and harm reduction interventions.” (The Vienna Declaration 2010).

 

Die Effekte der Drogenpolitik auf die gesundheitlich-soziale Lage der Konsumierenden illegaler psychoaktiver Substanzen einerseits und auf die Zugangsbeschränkungen zu Hilfeangeboten andererseits sind noch nicht hinreichend erforscht bzw. überhaupt thematisiert. Auch in der drogenpolitischen Auseinandersetzung (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung 2015) werden diese Zusammenhänge nicht benannt, sondern es herrscht ein Verständnis von vier Säulen in der Drogenpolitik vor (Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensminimierung und Repression), die in „friedlicher Koexistenz“, scheinbar unverbunden nebeneinander gestellt werden (Stöver 2016). Dabei haben die Rahmenbedingungen der Drogenkontrolle massiven Einfluss auf die gesundheitlich-soziale und rechtliche Lage der Konsumierenden, sowohl auf ihre sozialen Teilhabechancen als auch auf ihre Stigmatisierungs- und Ausgrenzungsrisiken und schließlich auch auf Zugangsmöglichkeiten zum Suchtkrankenhilfesystem (Stockrahm 2016). Rumpf (2015) betont, dass diese Zugangsverzögerungen und Stigmatisierungen auch bei legalen Drogen existieren, allerdings sind es oft die Konsequenzen der sozialen Ausgrenzung und Stigmatisierung der Konsumierenden illegaler Substanzen, sowie die Folgen der Strafverfolgung und des Strafvollzugs, die Zugangsmöglichkeiten zum psycho-sozialen Hilfesystem weiter behindern. Beratungs- und Behandlungsenergien werden gebunden durch die Dominanz und teilweise existentielle Dringlichkeit der direkt oder indirekt prohibitionsinduzierten psycho-sozialen, ökonomischen und rechtlichen Problematiken der Konsumierenden illegaler Drogen (Stöver und Gerlach 2012; Stöver und Plenert 2013). Folgen der sozialen Ausgrenzung und Stigmatisierung überlagern die Arbeit an den eigentlichen Problemen der Substanzgebrauchsstörungen (Stöver 2016).

Eine Politikfolgenabschätzung muss erst noch vorgenommen werden, aber ebenso wenig wie für die Forderung der Überprüfung der beabsichtigten und unbeabsichtigten Auswirkungen des Betäubungsmittelrechts (BT-Drucksache 2014, hib–heute o.J.) scheint es dafür gegenwärtig eine politische Mehrheit zu geben.

Im Folgenden geht es darum, die Effekte der prohibitiven Drogenpolitik vor dem Hintergrund von sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung auf die Konsumierenden illegaler Drogen zu analysieren.

1.1 Soziale Ausgrenzung

Menschen gelten als sozial ausgegrenzt, wenn sie nicht voll am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihre staatsbürgerlichen Rechte nicht umfassend wahrnehmen können und/oder wenn ihr Zugang zu Einkommen und anderen Ressourcen (persönlicher, familiärer und kultureller Art) so unzulänglich ist, dass er sie von einem Lebensstandard ausschließt, der in der Gesellschaft als akzeptabel gilt (Gallie und Paugam 2002). Faktoren, die zur sozialen Ausgrenzung beitragen können, sind Probleme im Zusammenhang mit Beruf, Bildungs- und Lebensstandard, Gesundheit, Recht, Nationalität, Drogenmissbrauch, geschlechtsspezifischen Unterschieden und Gewalt. Soziale Ausgrenzung kann somit als eine Kombination aus mangelnden wirtschaftlichen Ressourcen, sozialer Isolation, Exklusion und eingeschränkten sozialen und staatsbürgerlichen Rechten definiert werden; sie ist in jeder Gesellschaft ein relativer Begriff (CEIES 1999).

Der Konsum insbesondere von illegalen Substanzen kann entweder als Folge oder als Ursache der sozialen Ausgrenzung angesehen werden: Drogenkonsum kann einerseits zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen führen (z.B. soziale Prekarisierung), andererseits können aber auch soziale Ausgrenzungsprozesse (z.B. Arbeitslosigkeit, Armut, Schulverweise, Inhaftierung) Drogenkonsum auslösen. Dennoch besteht zwischen Gebrauch von Drogen und sozialer Ausgrenzung nicht unbedingt ein kausaler Zusammenhang, denn nicht alle Konsumierenden illegaler Drogen sind sozial desintegriert (Kemmesies 2004).

Die sozio-ökonomischen Bedingungen der Drogenkonsument*innen unterscheiden sich dabei beträchtlich je nach konsumierter Substanz, Drogenkonsummustern und bisherigem Verlauf der Drogenkarriere: sie sind bei Opioidkonsumierenden sowie bei Drogenabhängigen am ungünstigsten (EMCDDA 2003). Die mit Drogenkonsum und sozialer Ausgrenzung assoziierten Faktoren sind in der Abbildung 1 dargestellt. Sie beinhalten oftmals einen geringen Bildungsstand, frühen Schulabgang und Schulabbruch, Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und schwierige Arbeitsbedingungen, geringes Einkommen und Schulden, unsichere Wohnverhältnisse und Wohnungslosigkeit, hohe Mortalität und drogenkonsumbedingte Morbidität, mangelnder Zugang zu Hilfsangeboten und soziale Stigmatisierung.

Abb. 1: Das Verhältnis zwischen sozialer Ausgrenzung und Drogenkonsum/-abhängigkeit (Quelle: EMCDDA 2003)

Aufgrund ihrer prekären sozialen Verhältnisse haben insbesondere Opioidkonsumierende auch Probleme im Hinblick auf die Beschäftigung; die Arbeitslosenquoten sind im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung mehr als 10-Mal höher (Zippel-Schultz et al. o.J.). Sie haben Schwierigkeiten eine Arbeitsstelle zu finden und es ist selten, dass Drogenabhängige längere Zeit an einem Arbeitsplatz bleiben oder in ihrer Berufskarriere vorankommen können (DrugScope 2000). Ein prekärer Beschäftigungsstatus führt in der Regel zu erheblichen finanziellen Problemen. Drogenabhängige verfügen häufig nur über ein geringes Einkommen oder gar keine finanziellen Mittel (ein großer Teil der behandelten Patientinnen und Patienten lebt von Sozialhilfe oder Hartz IV bzw. Arbeitslosengeld II). Viele sind z.T. erheblich verschuldet. Ein großer Teil von Drogenkonsumierenden lebt in prekären Wohnverhältnissen; Männer wohnen in der Regel häufiger allein (Stöver und Förster 2014).

Langjährigen Drogenabhängigen, vorwiegend von Opioiden, Methamphetamin, Crack/Kokain, gelingt es selten, ihren Konsum ohne gesundheitliche Schädigungen oder soziale Ausgrenzungen zu realisieren. Um Schwarzmarktpreise bezahlen zu können, sind Beschaffungsaktivitäten nötig. Während Männer ihren Drogenbedarf vor allem mit Diebstahl, Hehlerei und Drogenhandel im Kleinstumfang finanzieren, sind Frauen oft auf den Verkauf ihres Körpers angewiesen. Bei Frauen geht man von mehr als 50 Prozent, bei Männern von etwa 10-20 Prozent aus, die ihren Konsum über Prostitution finanzieren (Zurhold et al. 2005). Soziale und gesundheitliche Folgeschäden sind absehbar. Obwohl ein Überangebot an Heroin oder Kokain besteht, gelingt es nur wenigen, ausschließlich die Droge ihrer Wahl zu konsumieren. Überbrückt werden die Versorgungsengpässe und Entzugserscheinungen mit Alkohol, anderen Drogen und/oder Medikamenten (v.a. Benzodiazepinen). Weit verbreitet ist ein Mischdrogengebrauch, z. T. bestehen komorbide Substanzgebrauchsstörungen von mehreren Substanzen gleichzeitig, die hohe gesundheitliche Risiken bergen (z. B. verstärken Alkohol und betäubende Medikamente die Wirkung von Opioiden). Insgesamt haben sich der Gesundheitszustand und die soziale Lage vieler - von Behandlung bisher nicht oder nur ungenügend erreichter - Drogenkonsumierenden in den letzten dreißig Jahren verschlechtert. Festzustellen sind:

  • Die Vernachlässigung elementarer Selbstfürsorge und Hygiene (Essen, Waschen, Bekleidung, Körperpflege).
  • Hohe psychische Belastungen durch Angst vor Verfolgung oder Beschaffungsdruck.
  • Gravierende gesundheitliche und soziale Probleme durch Prostitution, die oft unter ungeschützten und erniedrigenden Bedingungen verläuft.
  • Obdachlosigkeit bzw. wechselnde, kurzfristige Unterkünfte bei Bekannten aus der Drogenszene oder Freiern (verbunden mit den Schwierigkeiten eine Wohnung zu bekommen oder zu halten).
  • Soziale Isolation und Vereinsamung, da aufgrund der sozialen Ausgrenzung Kontakte zur Familie, zu Freunden und Bekannten außerhalb der Drogenszene ausdünnen und schließlich abreißen lassen. Die sozialen Bezüge in der Szene sind stark durch Zwänge und Bedingungen der Drogenbeschaffung bestimmt.
  • Fehlende berufliche und soziale Perspektiven, berufliche Schwierigkeiten. Der niedrige Bildungsstand, Folge des frühen Herausfallens aus Schule und Ausbildung, führt zu einer Verschlechterung der Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Dauerhafte Arbeitslosigkeit führt oft zu sozialem Abstieg, Verarmung (z.B. dauerhaftem Hartz IV-Status) und damit unter Umständen wiederum zu verstärktem Drogenkonsum.
  • Mangelndes Selbstvertrauen aufgrund sozialer Ausgrenzung und gesundheitlicher Verelendung, geringe Selbstwirksamkeitserfahrungen: der Verlust des Vertrauens in die Möglichkeit, die Lebenssituation selbst grundlegend verbessern zu können, nachdem Entzüge oder Therapieversuche wiederholt keine Erfolge zeitigten.
  • Unter besonderem rassistischen Verfolgungsdruck stehen Menschen mit Migrationshintergrund, v.a. wenn sie schwarzer Hautfarbe sind.
  • Speziell für Kinder lässt sich zeigen, dass das Aufwachsen in Armut und einer suchtbelasteten Familie ein Risikofaktor und Prädiktor für die Entwicklung einer eigenen Abhängigkeit ist.

1.2 Stigmatisierung

Sowohl Konsumierende legaler wie illegaler psychoaktiver Substanzen, die nicht den normativen gesellschaftlichen Ansprüchen von akzeptiertem Sozialverhalten entsprechen, sehen sich mit einer fortwährenden Stigmatisierung – einer Diskreditierung und Abwertung konfrontiert. Stigmatisierung funktioniert als ein grundlegender Allokationsmechanismus, der Menschen entlang der gesellschaftlichen Normenvorstellungen eine negative Position für abweichendes Sozialverhalten zuweist. Als Stigma gilt die Diskrepanz zwischen gesellschaftlich erwarteter bzw. geforderter (virtualer) sozialer Identität und der als abweichend klassifizierten tatsächlichen (aktualen) sozialen Identität (Goffman 1975). Stigmatisierung ist hierbei als ein vielschichtiger Prozess zu verstehen, der sich auf verschiedenen Ebenen vollzieht. Daher reicht es nicht, das Stigma als einen Akt bloßer Missbilligung und Herabwürdigung in der wiederholten täglichen Interaktion zwischen der sich als „normal“ definierenden Mehrheitsgesellschaft und den als defizitär definierten Randgruppen zu identifizieren. Vielmehr zeigt sich vor allem auch bei der Stigmatisierung von Konsumierenden und Abhängigen illegaler Drogen, dass diese ihre Entsprechung im Rechtssystem, in der Ordnungs- und Sicherheitspolitik, aber unter anderem auch in den Momenten einer Bearbeitung durch die soziale Arbeit und im Gesundheitssystem findet. Vor allem die beiden erst genannten Seiten des Stigmas bedeuten für die Betroffenen eine Kriminalisierung und damit eine folgenschwere Ächtung der eigenen Lebensrealität, die unmittelbar Konsequenzen von Zwang und Strafe nach sich ziehen können.

Soziale Ächtung der Konsumierenden illegaler psychoaktiver Substanzen ist nicht auf den Akt der Markierung und Diskreditierung reduziert. Vielmehr schafft die Stigmatisierung reelle materielle Ausgrenzungen: Von der polizeilichen Verfolgung oder drohender Gefängnisstrafe, bis dahin, dass der soziale Ausschluss sich auch in ganz alltäglichen Praxen, wie der Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, Angehörige, Nachbarschaft, aber auch in der Arbeits- oder Wohnungssuche niederschlägt. So ist es nicht unüblich, dass mittlerweile auch im Rahmen der Wohnungssuche Lebensläufe vorgelegt werden müssen. Die „Lücken“ im Lebenslauf die mitunter mit einer Suchterkrankung oder deren Behandlung einhergehen, werden damit zum sichtbaren Stigma. Die Abkehr des sozialen Umfelds von den „Trägerinnen und Trägern“ des Stigmas bedeutet zudem die direkte Verknappung ihrer sozialen Ressourcen und die Reduzierung auf die Rolle des „Kiffers“ oder „Junkies“.

Insbesondere bei Jugendlichen wird bereits im Prozess einer strafrechtlichen Verfolgung und Auffälligkeit dieser Stigmatisierungsprozess in der Schule, Familie und im Freundes-/Bekanntenkreis sehr deutlich. Da ein Großteil der jährlich ca. 130.000 (Bundeskriminalamt 2015) wegen Cannabisbesitzes/-umgangs polizeilich auffällig gewordenen Menschen Jugendliche und Heranwachsende sind, sind die Prozesse der sozialen Ausgrenzung und Stigmatisierung besonders gravierend und vor allem nachhaltig im Lebensverlauf: Die Betroffenen geraten in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und können sich entweder konform verhalten, d. h. den Konsum beenden, oder sich den Vor-Verurteilungen entsprechend verhalten (im Sinne einer „Sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung“). Schuldprojektionen sind impliziter Bestandteil dieser Bewältigungsform (Stöver 2008).

Schule und Familie entwickeln Ausgrenzungsstrategien über Verwarnungen, Schulverweise bis hin zu drastischen Strafen und Kontaktabbrüchen seitens der Eltern. Diese Reaktionen führen auf Seiten der Betroffenen wiederum häufig zu verändertem/verstärktem Drogenkonsum. Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, der auf beiden Seiten zu Verhärtungen der Positionen und vor allem zu einer Fixierung auf den Drogenkonsum, auf die verbotene Droge selbst und damit verbundenen auf einen besonderen Status (als Kiffer, Crystal User) führt. In einer solchen Situation wird es für die Eltern, Lehrer, Ausbilder schwierig, jugendlichen Drogenkonsum - mit viel Geduld - als fast unvermeidbaren Bestandteil des Erwachsenwerdens in der Risikophase Adoleszenz zu begreifen oder als subjektiv Sinn machende Selbstmedikation, der man eher drogenunspezifisch begegnen kann, indem man Ressourcen, Interessen und Neigungen des Betroffenen fördert und unterstützt, damit diese Phase des Erwachsenwerdens ohne soziale oder gesundheitliche Schäden überstanden werden kann (Stöver 2008). Natürlich kann es auch einen Konsum illegaler Substanzen geben, der unauffällig verläuft. Voraussetzungen sind eine soziale Umgebung, die den Konsum als ein in der Regel passageres Verhalten toleriert, keine großen Finanzierungsprobleme, zuverlässige Stofflieferanten und die Fähigkeit eines kontrollierten Umgangs mit der Droge zur Realisierung der beabsichtigten Wirkungen. Diese Bedingungen sind meist nur in bestimmten sozialen Schichten und in begrenzten Lebensabschnitten gegeben. Der Dauergebrauch von Drogen kann jedoch negative und unbeabsichtigte soziale oder gesundheitliche Folgen zeitigen.

Selbststigma - als übernommene Abwertung und verinnerliche Normen und Bilder der Gesellschaft - mündet oft in Schuld- und Schamgefühle und in ein vermindertes Selbstwertgefühl. Bei Menschen mit Drogenhintergrund sind die negativen Gefühle fast durchgängig stärker ausgeprägt.

Das Stigma-Management erfordert Verheimlichungs-, Täuschungs- und Verleumdungsstrategie im Alltag der Betroffenen und lässt einen offenen Diskurs über Risiken des Drogenkonsumverhaltens kaum zu. Das Heimlichkeitsverhalten wird zum bestimmenden Moment in einem Doppelleben und kann nur in peer-groups offen ausgelebt werden. Stigmatisierungsprozesse behindern so den Zugang zu Hilfemaßnahmen, verzögern ihre Inanspruchnahme um Jahre bis Jahrzehnte (Rumpf 2015) und erschweren bei fortschreitender Chronifizierung den Stabilisierungs- und Heilungsprozess.

Für Drogenkonsumierende kann es schwierig sein, Hilfen und Unterstützungen zu bekommen, sei es aufgrund einer Ablehnung, sich an Hilfeeinrichtungen zu wenden, oder aufgrund eines niedrigen Bildungsniveaus, einer geringen Akzeptanz durch die regulären Gesundheitsdienste oder wegen besonderer Gesundheitsprobleme, für die keine entsprechenden Dienste vorhanden sind. Schließlich haftet Drogenkonsumierenden ein negatives soziales Image an, so dass sie möglicherweise auf Feindseligkeiten vonseiten der Allgemeinbevölkerung und der Behörden treffen.

1.3 Kriminalisierung und Inhaftierung

Der Prozess der Kriminalisierung der Konsumierenden illegaler psychoaktiver Substanzen hat in Deutschland ein hohes Ausmaß angenommen. Die Zahl der polizeilich festgestellten Rauschgiftdelikte steigt seit vielen Jahren kontinuierlich an und belief sich 2019 auf 359.747 Fälle (Bundeskriminalamt 2020). In 79,1% der Rauschgiftdelikte handelt es sich um sog. "konsumnahe Delikte", d.h. um Mengen zum Eigenbedarf (Allgemeinen Verstöße nach § 29 BtMG).

Im Jahr 2011 wurden knapp 47.000 Personen aufgrund eines BtMG-Verstoßes verurteilt (Statistisches Bundesamt 2013). Davon befanden sich zum Stichtag 31.03.2011 insgesamt 8.841 Personen, also 14,7 % aller Gefangenen, in Einrichtungen des Freiheitsentzugs (Statistisches Bundesamt 2011). Unklar ist, ob es sich dabei um Konsumierende, Abhängige oder Händler handelt. Man geht aber davon aus, dass ein erheblicher Teil der wegen BtMG-Verstößen Inhaftierter selbst Drogen konsumiert bzw. davon abhängig ist, und darüber hinaus weitere Drogenkonsumierende beispielsweise wegen Beschaffungskriminalität verurteilt wurden, die in den Statistiken unter anderen Kategorien als BtMG-Verstößen aufgelistet werden (Jakob et al. 2013, Stöver 2012). Zudem sind vermutlich auch einige „unauffällige“ Drogenkonsumierende inhaftiert, d.h. Personen, die noch nie wegen ihres Drogenkonsums polizeilich auffällig geworden sind, und auch solche, die erst in Haft beginnen Drogen zu nehmen (Thane 2015).

Bieneck/Pfeiffer (Hellmann o.J.) zeigen in ihrer Untersuchung auf, dass Drogendelikte der Anlass für die gegenwärtige Haftstrafe bei 19,5% der Männer, 26,2% der Frauen und 15,4% der Jugendlichen war. In Baden-Württemberg (Reber 2011) haben laut einer Untersuchung 21 % der Inhaftierten kurz vor ihrem Haftantritt illegale Substanzen konsumiert, v.a. Cannabis (40 %) und Opiate (19 %). In niedersächsischen JVA’s berichteten rund 40 % einen Konsum von illegalen Drogen kurz vor Haftantritt, vor allem von Marihuana (27 %) und Opiaten (17 %) (Kriminologischer Dienst des Bildungsinstituts des Nds. Justizvollzuges 2006). In einer großangelegten Studie des Wissenschaftlichen Institut der Ärzte Deutschlands mit 1.582 befragten Inhaftierten wurde die Lebenszeitprävalenz von Gefangenen für verschiedene Substanzen wie folgt ermittelt: 66% Cannabis, 37% Heroin, 45,3% andere Drogen. Von den befragten Inhaftierten gaben an, in Haft schon konsumiert zu haben: 40,7% Cannabis, 25,2% Heroin, 23,9% andere Drogen (Eckert und Weilandt 2008). Hierbei gibt jeweils ein kleiner Anteil (1,8%-3,5%) an, diese Substanzen nur in Haft zu konsumieren (ebd.).

Gegenwärtig muss man bei etwa 63.600 Straf- und Untersuchungsgefangenen (Statistisches Bundesamt 2015) querschnittlich von ca. 15.000 (13.140-17.760) Opioidkonsumenten bzw. -abhängigen allein in den Justizvollzugsanstalten Deutschlands ausgehen (ohne Maßregelvollzugsanstalten, Polizeiarrest) – im Verlaufe eines Jahres von etwa doppelt so viel. Etwa jeder Zehnte der allgemein angenommenen Gesamtzahl von mind. 150.000 problematischen Drogenabhängigen ist somit inhaftiert. Bei 11.000 zur Verfügung stehenden Therapieplätzen befinden sich also etwa 1,5 Mal mehr Drogenkonsumenten im Gefängnis als in Therapieeinrichtungen (Stöver 2012).

Die repräsentative "DRUCK"-Studie des Robert Koch Instituts (2016) beschreibt den Prozess der Kriminalisierung von Drogenabhängigen: Von den mehr als 2.000 in Freiheit befragten Drogenabhängigen waren 81% bereits inhaftiert. Die mittlere Haftdauer betrug 5 Jahre, im Mittel waren die Befragten 5,6 Mal inhaftiert. Drogenabhängige verbüßen also überwiegend Kurzstrafen, zu einem erheblichen Teil auch Ersatzfreiheitsstrafen, weil sie die Geldstrafe nicht zahlen können (Stöver et al. 2016). Die hohe Anzahl der Strafen bewirkt erhebliche Brüche vor allem im Übergang von der Haft in die Freiheit, wo Wohnungs- und v.a. Krankenversicherungsprobleme entstehen. Laut einer Problemanzeige der Sucht-Fachverbände (2010) dauert es mehrere Wochen bis die Inhaftierten nach der Entlassung wieder gesetzlich krankenversichert sind. Dies stellt insbesondere für chronisch Kranke mit hohem Medikamenten- bzw. Behandlungsbedarf ein erhebliches gesundheitliches Risiko dar.

Die hohen Hafterfahrungen zeigen, dass soziale Exklusion zum regelhaften Teil der Biographie vieler Drogenkonsumierenden wird - im Verlauf ihrer Drogenkarriere scheint der Haftaufenthalt früher oder später kaum vermeidbar mit entsprechendem Risikoverhalten während der Haft und Stigmatisierungen nach der Haftentlassung.

Laut der Daten der „DRUCK“-Studie haben 30% der jemals Inhaftierten in Haft Drogen injiziert, und 11% der je Inhaftierten mit intravenösem Drogengebrauch haben in Haft ihren i.v.-Konsum begonnen. Boys et al. (2002) berichten, dass über ein Viertel der Heroinkonsumenten angab, mit dem Konsum in Haft begonnen zu haben. In einer anderen britischen Studie gab rund ein Fünftel der intramuralen Drogenkonsumierenden an, den Konsum, v.a. von Heroin, in Haft begonnen zu haben (Singleton et al. 2003). Von Inhaftierten mit einer gegenwärtigen medizinischen Problematik gaben rund 40 % an, Drogen missbräuchlich oder abhängig zu konsumieren (Marushak 2008). Studien in Europa fanden, dass bis zu 60 % der intravenös (i.v.) Drogenkonsumierenden auch nach einer Inhaftierung weiterhin i.v. Drogen konsumieren (Stöver et al. 2008).

Insgesamt muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei drogenbezogenen Delikten im Wesentlichen um Kurzstrafen handelt, d.h. aber auch gleichzeitig, dass die Übergänge- von der Freiheit in die Haft und von der Haft in die Freiheit erhebliche gesundheitliche und soziale Risiken bergen. Diese zeigen sich insbesondere durch fatale Überdosierungen, Infektionsrisiken unmittelbar nach Inhaftierung und Haftentlassung  (WHO 2010), aber auch den Wohnungsverlust, Wiedereintritt in die gesetzliche Krankenversicherung. Aber auch die ersten 14 Tage der Inhaftierung zeigen die höchsten Suizidraten unter Gefangenen überhaupt. Der Strafvollzug - das zeigen diese Daten - wird zu einer Durchgangsstation, zu einem wichtigen Teil der Biographie für die meisten Drogenkonsumenten. Damit wird deutlich, dass eine Inhaftierung ein hohes Risiko darstellt gesundheitlich bedenkliche Konsumpraktiken einzuüben, die nicht nur hohe Drogennotfall- sondern vor allem Infektionsrisiken bergen (UNODC 2016).

Für mehr als 80% der Konsumenten illegaler psychoaktiver Substanzen ist der Aufenthalt in Haft ein integraler Bestandteil ihrer Biographie – mehr als 4 Jahre verbringt der allergrößte Teil der Drogenkonsumenten in Gefängnissen und im Maßregelvollzug. Diese Zeit der Inhaftierung, und v.a. die damit verbunden gesundheitlichen und sozialen Risiken (neben zweifelsohne auch Chancen!) müssen mehr in den Mittelpunkt von Drogenpolitik und -hilfe gerückt werden.

1.4 Gesundheitliche Chancenungleichheit

Eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe bedeutet für Drogenabhängige nicht nur soziale Exklusion und regelhaft ein Leben in relativer Einkommensarmut, sondern darüber hinaus auch den Ausschluss von gewohnten oder notwendigen suchtmedizinischen Angeboten. Während bspw. in Freiheit ca. 40-50% aller Opioidabhängigen von der medikamentengestützten Behandlung Opioidabhängiger mit Agonisten oder Partialagonisten einer mittlerweile breiten Medikamentenpalette (Methadon, Buprenorphin, retardierte Morphine, Diacetylmorphin) profitieren (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung 2015), sind es in Haft nur ca. 10% aller opioidabhängigen Gefangenen (Stöver 2014), denen dann auch nur eine eingeschränkte Medikamentenpalette zur Verfügung steht (Stöver 2013). Sie profitieren also nicht, bzw. nicht ausreichend vom Fortschritt der Suchtmedizin/-therapie und bleiben ausgeschlossen von modernen Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten.

Der Strafvollzug steht insbesondere unter dem Druck der Öffentlichkeit, das Gefängnis als „drogenfreien Raum“ zu gestalten. Nur wenige Anstalten sprechen offen über vorhandene Drogenprobleme und bieten adäquate Hilfen an: Dies wird oft gleichgesetzt mit einem Scheitern des Sicherheitsauftrages und einer Desillusionierung in Bezug auf Undurchlässigkeit des Gefängnissystems. Nach wie vor gibt es eine erhebliche Zahl von Anstalten, die einen Drogengebrauch entweder nicht beobachten oder ihn aus justizpolitischen Motiven ignorieren und leugnen. Unter diesem Umstand, dass eigentlich „nicht sein kann, was nicht sein darf“, ist der Umgang mit Drogenabhängigen im Vollzug ein Balanceakt zwischen einerseits den Erwartungen an die Erfüllung seines Resozialisierungsauftrages und andererseits den Realitäten eines verbreiteten Drogenkonsums vieler Gefangener und z.T. politisch stark eingeschränkter Handlungsmöglichkeiten zur Bewältigung dieses Phänomens. Gegenüber diesen Entwicklungen existieren lediglich zwei Reaktionsmuster:
Zum einen kann versucht werden, den Strafvollzug noch weiter abzuschotten. Sofern dadurch Drogenzufuhr und -konsum überhaupt reduziert werden könnte, ist dies vor dem Hintergrund eines resozialisierenden Auftrags mit dem Ziel von weitgehender Außenorientierung des Strafvollzuges kritisch zu betrachten. Zudem würde dies zu Lasten auch Nicht-Betroffener Gefangener gehen.
Zum anderen kann man innerhalb des Spannungsfeldes von Sicherheit und Ordnung auf der einen und Hilfsangeboten auf der anderen Seite realitätsgerechte und bedürfnisgerechte Hilfen entwickeln. Diese sollten pragmatische Ziele verfolgen und machbar sowohl für den Vollzug als auch für die Gefangenen sein. Deutlich wird allerdings, dass die Arbeit mit Drogenkonsumierenden im Justizvollzug nur unter sehr eingeschränkten räumlichen und methodischen Bedingungen stattfinden kann. Drogenszene und Hilfeangebote fallen räumlich zusammen, es gibt keine Toleranz des Konsums: Sicherheits- und Ordnungsaspekte strukturieren und dominieren klar den Anstaltsalltag und die Umgangsweise mit den drogengebrauchenden Gefangenen.

Drogenkonsumierende und -abhängige Gefangene werden systematisch von Schutzmitteln und -möglichkeiten ausgeschlossen, und können sich deshalb nicht wirksam vor Infektionskrankheiten schützen. Evidenz-basierte Strategien, wie die Spritzenvergabe auch in Haft (Stöver und Knorr 2014; Stöver und Hariga 2016) als wirksame Mittel zur Reduktion der Verbreitung von viralen Infektionskrankheiten und des illegalen Drogenkonsums, sind in Deutschland äußerst selten: Lediglich die Frauenhaftanstalt Lichtenberg in Berlin gewährt den Inhaftierten seit etwa 20 Jahren einen Zugang zu sterilem Spritzbesteck (Staack 2014), was bedeutet, dass nur etwa 0,5% aller Haftanstalten eine effektive Infektionsprophylaxe betreiben.

Ein weiteres Beispiel für die Schwierigkeit des Umgangs mit Drogenabhängigen besteht darin, dass sie in der Regel als „nicht lockerungsgeeignet“ betrachtet werden, so dass hier von einer Schlechterstellung gegenüber anderen Gefangenen ausgegangen werden kann. Da von Seiten des Vollzuges gemutmaßt wird, es würde zu einem Konsum illegalisierter Substanzen während der Lockerung oder des Urlaubs kommen, werden diese häufig abgelehnt. Somit kommt für diese Gefangenengruppe auch die vorzeitige Entlassung häufig nicht zum Tragen, da hierfür die Voraussetzung einer Bewährung unter Lockerungen gilt. Dies kann für Gefangene ein Argument sein, ihre Konsumerfahrungen der JVA zu verschweigen, wenn es möglich ist (Stöver 2016).

2 Was bedeutet das für die Drogenhilfe bzw. Drogenpolitik?

Soziale Ausgrenzung Konsumierender illegaler Drogen ist im Wesentlichen ein Produkt des Drogenverbots und der Strafverfolgung. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik geraten jedes Jahr mehr als 280.000 Menschen (Stand: 2018) in das Visier der Strafverfolgungsbehörden aufgrund eines Umgangs mit Drogenmengen zum Eigenbedarf. Die Folgen dieser Kriminalisierungswucht auf die sozial-gesundheitliche Lage der Betroffenen, ihr familiäres Umfeld und v.a. für den Zugang zum Hilfesystem müssen stärker thematisiert und der Politik vermittelt werden.

Die Folgen der Kriminalisierung spiegeln sich nicht nur in polizeilichen Ermittlungsverfahren, sondern vor allem auch in Inhaftierungszahlen wider: ca. 30.000 drogenkonsumierende/-abhängige Menschen werden im Laufe eines Jahres zu Freiheitsstrafen – im wesentlichen Kurzstrafen – verurteilt. Die bei Haftantritt und -austritt erfolgenden psychischen Belastungen/Umstellungen und sozio-ökonomischen Brüche (z.B. in der Erwerbsbiographie) sind erheblich und wirken einer Stabilisierung Drogenabhängiger unter ohnehin vulnerablen Lebensbedingungen massiv entgegen. Die Kriminalisierungsfolgen kurzer Haftstrafen im Rahmen hoher Morbidität und Mortalität (v.a. unmittelbar nach Haftentlassung) müssen thematisiert und verändert werden.

Eine Entstigmatisierung von Substanzgebrauchern ist für unvoreingenommene Hilfeleistung von großer Bedeutung. Neben Drogenrecht müssen auch die Bereiche Drogenpolitik/-forschung und v.a. Drogenhilfe auf strukturell-stigmatisierende Effekte untersucht werden: Wo gibt es ggf. Besonderheiten im Suchtkrankenhilfesystem für die Gruppe der Drogenkonsumierenden, die in Regelversorgungen psychischer Störungen oder medizinischer Leistungen mit weniger Stigmatisierungseffekte aufgelöst werden könnten (Stichwort: Verschmelzung/Öffnung medizinischer Versorgung und Suchtkrankenversorgung). Statt immer neue Angebote für die ‚besondere‘ Gruppe der Drogenabhängigen – unter der Vorgabe noch zielgenauer arbeiten zu wollen – zu schaffen, müssen bestehende Angebote für Drogenabhängige geöffnet werden. Statt Koch-/Ernährungs-/Arbeits-/Wohnangebote nur für Drogenabhängige und verschiedener Unterkategorien bereit zu stellen, können integrative Ansätze möglicherweise weniger stigmatisierend wirken.

Sprache und Begrifflichkeiten sind auf stigmatisierende Effekte v.a. unter Professionellen in der Drogenhilfe/-forschung und -politik zu untersuchen. Präzision im Alltagsumgang und in der Diagnostik möglichst mit Referenzierung auf gängige Klassifikationssysteme (z.B. DSM 5, ICD 10, ICF) und konsentierte Leitlinien sind wichtige Bestandteile eines sachlichen Umgangs in einer oft emotional hoch aufgeladenen Diskussion und Praxis.

Auffällig ist, dass im Alltags – aber auch oft im Professionsjargon – die Grenze zwischen Missbrauch und Abhängigkeit verwischt und Menschen schnell mit dem stigmatisierenden Begriff ‚abhängig‘ belegt werden. Im DSM 5 ist dies reflektiert in der neuen Bezeichnung ‚Substanzgebrauchsstörung‘ (substance use disorder); in anderen Diskursen wird in einem integrativen Bemühen von ‚gesundheitlichem Risikoverhalten‘ gesprochen. Dies reflektiert Ansätze in Theorie und Praxis auf stigmatisierende Begrifflichkeit zu verzichten.

2.1 Gesundheitsförderung und Prävention

Die legislativen Veränderungen der letzten zwanzig Jahre zeigen gerade im Bereich der Alkohol- und Tabakzugänglichkeit, deutliche Wirkungen: Verhältnisprävention wirkt massiv und bildet die Grundlage für weitergehende gesellschaftliche Diskussionen um Genuss und Risiko. Gleichzeitig wird an diesem Beispiel auch deutlich, wie schwer es ist, Verbraucher- und Jugendschutz  gegenüber einer massiv auftretenden Alkohol- und Tabakindustrie und Verbandsinteressen durchzusetzen. Das Beispiel Werbeverbot für Tabak- und Alkoholprodukte ist nur ein kleiner Bereich, in dem deutlich wird, dass  beispielsweise Deutschland als einziges EU-Land die Außenwerbung noch zulässt – entgegen den WHO-Verpflichtungen von 2010, diese zu verbieten.

Auch Warnhinweise auf Alkoholflaschen (zumindest adressiert an Schwangere) sind bislang nicht gesetzlich vorgeschrieben. Zu spät hat man in Deutschland verstanden, Verhältnis- und Verhaltensprävention in Beziehung zu setzen und die Bedeutung beider Elemente zu gewichten.

2.2 Erweiterung des Methodenkanons

In den letzten Jahren haben sich die Methoden der Suchtkrankenhilfe und der Präventionsarbeit deutlich erweitert – die Handlungssicherheit ist gestiegen. In vielen Arbeitsbereichen wird in interdisziplinären und  multiprofessionellen Teams gearbeitet. Insbesondere der Sozialarbeit gelingt es zunehmend, mit evidenzbasierten Beratungsinstrumenten „gleiche Augenhöhe“ mit den anderen Akteuren einzufordern und selbstbewusster ihre Zuständigkeiten und Fähigkeiten herauszuarbeiten. Diese sind neben der oftmals erfolgreich gestalteten Moderatorenrolle eines interdisziplinär-multiprofessionellen Versorgungsansatzes, die individuelle Einzelfallhilfe, Beziehungsarbeit und der Praxis-Politik-Transfer auf kommunaler/regionaler Ebene.

Die Stärke sozialer Arbeit liegt darin, lebensweltorientiert, alltagsnah, und zielgruppenspezifisch arbeiten zu können. Lebensweltorientierung bedeutet dabei, auf die individuellen sozialen Probleme der Betroffenen in deren Handlungsrahmen zu fokussieren sowie subjektiven Deutungen und individuellen Problembewältigungen der Betroffenen mit Akzeptanz und Respekt zu begegnen. Diese Hilfe ist zunächst in die sozialen Strukturen auf personaler/lokaler Ebene eingebettet. Sie muss aber auch anwaltliche Funktionen für die und mit den betroffenen Zielgruppen erfüllen, etwa in der Sozial- und Gesundheits-(Sucht)politik.

2.3 Präventionsarbeit vernetzen

Prävention sollte nicht nur auf die (weitgehend unrealistische) Verhinderung von Drogenkonsum fixiert sein, sondern das Erlernen von angemessenen Umgangsformen mit psychotropen Substanzen und problematischen Verhaltensweisen sowie die Vermeidung/ Verringerung von (konsumspezifischen) Schäden fördern. Man weiß heute, dass Prävention nur dann nachhaltig wirkt, wenn sie nicht isoliert gestaltet, sondern in Lebenskontexte und -strukturen (z.B. Stadtteile) eingebettet wird, wenn sie drogen-, gender-, alters-, migrations- und schichtspezifisch ausgerichtet ist, und wenn sie Zielgruppen mit in die Planung einbezieht. Laut der WHO sollten Schwerpunkte der Präventionsarbeit drogen- und suchtunspezifisch angelegt sein und mit anderen lokalen/kommunalen Initiativen zur Gesundheitsförderung vernetzt werden.

2.4 Zu wenig Einbezug der Selbsthilfe

Blickt man auf die Anstrengungen zur Einbeziehung von „peers“ (hier: Gleich-Betroffene) und Selbsthilfegruppen in die Arbeit professioneller Hilfsangebote, so muss konstatiert werden, dass wir in den 1990er Jahren mit viel Euphorie gestartet sind. Mit der zunehmenden Professionalisierung der Drogenhilfe und den wachsenden Eigeninteressen von professionellen Mitarbeiter*innen an der Bestandssicherung wurden „peers“ immer seltener in bezahlte Beschäftigungsverhältnisse eingestellt. Die Arbeit der Drogenselbsthilfe in Deutschland und im europäischen Ausland zeichnet sich heute durch die Kombination von Selbsthilfeansätzen und erworbener Fachlichkeit aus. Dort wo Substituierte oder Ex-User fest in die Strukturen der Drogenhilfe integriert sind, fördert dies auf besondere Weise innovative Impulse und methodische Phantasie in der Entwicklung von Hilfe und Unterstützung. Es liegt nahe, künftig wieder verstärkt die Betroffenenperspektive mit professionellem Fachwissen zu verknüpfen.

Konsumkompetenz – Betroffene zu Beteiligten machen: Ein übergreifender Handlungsansatz über alle Lebensbereiche, Alterssegmente und Ressourcen hinweg ist die Stärkung der Konsumkompetenz in der Gesellschaft beim Umgang mit psychotropen Substanzen. Danach sollten die Konsumierenden um die Wirkungen wissen, um eigene körperliche und seelische Verfassungen, um Anlässe, Regeln und Grenzen sowie die Förderung von Risikominimierung besser reflektieren zu können. Dies gilt auch für die Förderung der Fähigkeit zur Punktabstinenz, d.h. den gezielten zeitweisen Verzicht in bestimmten Lebenslagen/-situationen. Ein Beispiel ist der Verzicht auf Drogen im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz. Auch „Sicherer Gebrauch“ (Safer Use) ist ein Bestandteil der Konsumkompetenz. Konsumkompetenz stärken, um Chronifizierungen vorzubeugen, bedeutet aus wissenschaftlicher Sicht, den Prozess der Risiko- und damit Lebenskompetenzen in den Settings zu beachten und zu fördern (Heudtlass/Stöver 2005). Ebenso schließt es das Erlangen der Fähigkeit zu einem gesundheitsverträglichen Umgang nach einer problematischen Konsumphase ein,  z.B. der nach einer Drogentherapie notwendigen Fähigkeiten zur Aufrechterhaltung.

3 Herausforderungen für die Zukunft

Trotz aller Fortschritte in der Suchtkrankenhilfe, Prävention und Drogenpolitik – ein zentrales Dilemma bleibt:

Mit der Aufrechterhaltung der Aufteilung in legale und illegale Substanzen drohen wir Präventionsansätze wieder zunichte zu machen. Dies suggeriert, es gäbe „gute“ (legale) und „böse“ (illegale) Drogen. Die gegenwärtige Drogenpolitik stellt vor allem keinen Zusammenhang zwischen ihrer repressiven Ausrichtung und den gesundheitlichen wie sozialen Schäden her, die sie mit der (Teil-)Prohibition anrichtet: Jährlich eine Viertelmillion polizeilich ermittelter  Drogendelikte, davon die große Mehrheit sogenannte Konsumentendelikte (also Drogenumgang zum Eigenbedarf), zeugen von einer Ignoranz gegenüber den anscheinend nicht weniger werdenden Konsument*innen – und den mit der polizeilichen Verfolgung verbundenen Problemen für Familie, Schule, Arbeitsplatz und andern Bereiche. Abgesehen davon wird kein Zusammenhang zwischen lebensgefährlich gestreckten Drogen auf dem Schwarzmarkt und Überdosierungen mit Todesfolge, Beschaffungsprostitution oder Gefängnisaufenthalten hergestellt. Jugend- und Verbraucherschutz zählt nur für Konsument*innen und Abhängige legaler Drogen. Diese Drogenpolitik will uns glauben machen, es gäbe eine friedliche Ko-Existenz von Repression und Suchtkrankenhilfe: Letztere wird jedoch massiv von der Strafverfolgung verformt, die Arbeit an der Sucht wird überlagert von der Arbeit an den Drogenpolitikfolgen. Es braucht intelligente Modelle der Drogenregulierung statt Toleranz eines anachronistischen, riesigen Drogenschwarzmarktes, betrieben von der organisierten Kriminalität. Mit einer Drogenregulierung würde der Zugang zu psychoaktiven Substanzen nicht mehr kriminalisiert – dies hätte auch Auswirkungen auf die Drogenlogistik. Wenn diese nicht in der Illegalität stattfinden würde, könnte man die Drogenherstellung/-bereitstellung und den -vertrieb systematisch kontrollieren (wie beim Alkohol auch), was Verunreinigungen bzw. gesundheitsschädliche Zusatzstoffe zum Strecken verhindern würde (vgl. Gerlach/Stöver 2012). Neben diesem strukturellen Widerspruch ist die Drogenpolitik vor allem gefordert, flächendeckend Hilfeangebote bereitzustellen:

  • Substitutionsbehandlung Opioidabhängiger in ganz Deutschland, nicht nur in den Großstädten, 
  • Einsatz dieser Behandlung in allen Settings, in denen sich Menschen mit Opioidgebrauchsstörungen aufhalten: Reha-Kliniken, Gefängnissen, Maßregelvollzug, Psychiatrie, Krankenhäuser,
  • Absenkung der Schwellen für die diamorphin-gestützte Behandlung, die bis jetzt nur rund 800 Heroinkonsument*innen in Deutschland erreicht,
  • Übertragung der Public-Health-Strategie „Harm Reduction“ auch auf den Alkohol-, Tabak.- und Medikamentenbereich (Stöver 2018),
  • Stärkung von Naloxon-Projekten (Take-home-Naloxon an Laien; Dichtl et al. 2018)
  • Flächenmäßiger Ausbau von (niedrigschwelligen) Drogenkonsumräumen  (Schäffer, Weichert und Stöver 2014)
  • Einführen von Drugchecking-Projekten (Tögel-Lins, Werse und Stöver 2019)
  • Förderung der Verschränkung von Selbsthilfe und professionellen Hilfsangeboten,
  • der alters- und lebenskontextgerechte Ausbau von Wohn- und Pflegeprojekten für Drogenkonsument*innen.

Zusammenfassung

Die Attraktivität der Hilfeangebote steigern durch Entstigmatisierung.

Abhängig von den einzelnen Suchtformen und den Gefährdungen dauert der Weg vom erstmaligen Auftreten des Konsumproblems bis zur Inanspruchnahme von Hilfen zu lang – oftmals Jahrzehnte – und der problematische Drogenkonsum hat sich bereits chronifiziert mit entsprechenden negativen Folgeerscheinungen. D.h., viele Jahre bleibt der Konsum für die Betroffenen und ihr Umfeld problematisch, führt zu erheblichen Belastungen und hat z.T. den Verlust des Arbeitsplatzes, der Wohnung, Beendigung der Ehe etc. nach sich gezogen. Drogenberatungsstellen, als erste Anlaufstellen für die Organisation zumindest professioneller Hilfen, müssen daher viel attraktiver gemacht werden. Sie müssen das Ansehen verlieren, nur für Süchtige da zu sein, um auch positiv von der Bevölkerung wahrgenommen zu werden. Der immens große Kreis der Suchtgefährdeten, d.h. all diejenigen, die zumindest zeitweise einen riskanten Konsum aufweisen, müssen stärker angesprochen werden. Das geht nur über eine glaubwürdige Thematisierung der Ambivalenz aller Drogen.

Deutlich wird in diesem Zusammenhang auch, dass die Illegalisierung bestimmter Substanzen und die Kriminalisierung ihrer Nutzenden eine glaubwürdige und offene Auseinandersetzung über Vor- und Nachteile des Drogengebrauchs verhindern. Trotz Schweigepflicht sind die Konsumierenden gewarnt, nicht zu viel von sich preiszugeben, weil sie über teils umfassende Stigmatisierungs- und Diskriminierungserfahrungen verfügen (vgl. Stöver/Plenert 2013). Zu schnell und zu einfach wird von „Sucht“ gesprochen, statt von einem langjährigen schweren Gebrauch von psychoaktiven Substanzen zu reden, was viel mehr Menschen ansprechen würde. Die stigmatisierende Wirkung des Suchtbegriffs wird von mehr und mehr Menschen wahrgenommen und ausgesprochen (Rumpf 2015).

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Prof. Dr. Heino Stöver
Fachhochschule Frankfurt
University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Studiengangsleitung: "Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe (M.A.)"
hstoever(at)fb4.fra-uas.de